Der Vienna City Marathon 2024 war mein erster Marathon. Zwei Jahre und drei weitere Marathons später stand ich wieder in Wien am Start. Diesmal mit Erfahrung, knapp dreieinhalb Monaten Vorbereitung und einem klaren Ziel: unter vier Stunden.
Das Wetter hatte andere Pläne.
Schon beim Start zu warm
Ich startete am 19. April 2026 gegen 9:15 Uhr im Block C. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits so warm, dass ich auf den ersten Kilometern schwitzte. Das kannte ich selbst von Valencia nicht, obwohl es dort später ebenfalls sehr heiß geworden war.
Noch vor dem Start war mir klar, dass der Sub-4-Versuch schwierig werden würde. Auch die Menschen um mich herum liefen merklich vorsichtiger. Trotzdem wollte ich sehen, was möglich war.
Die ersten fünf Kilometer fühlten sich zäh an. Rund um Kilometer zehn fand ich meinen Rhythmus und lief ungefähr in einer Pace von 5:40 Minuten pro Kilometer. Die Stimmung an der Strecke half enorm. Mal wurde ich schneller, weil mich das Publikum mitriss, dann wieder langsamer, weil die Temperatur sehr deutlich daran erinnerte, dass Begeisterung keine Kühlung ersetzt.
Die Wand wartete diesmal etwas länger
Bei früheren Marathons begann mein Körper häufig zwischen Kilometer 23 und 26 zu protestieren. Diesmal hielt ich überraschend stabil bis Kilometer 30 durch. Dann kam die Wand. Verlässlich, nur etwas verspätet.
Ich hatte meine Gels und Salzkapseln regelmäßig genommen, aber gegen die Hitze half das nur begrenzt. Die letzten zwölf Kilometer wurden langsam und hart. Gleichzeitig merkte ich, dass das Festhalten am Zeitplan mir gerade jede Freude aus dem Lauf nahm.
Ein ziemlich teurer Lauf darf auch Spaß machen
Irgendwann dachte ich: Ich habe viel Geld für diesen Marathon bezahlt. Die Menschen entlang der Strecke feiern, die Musik ist laut und alle hier leiden gemeinsam. Warum sollte ich die restliche Zeit mit düsterem Gesicht auf meine Uhr starren?
Also warf ich den Plan weg. Ich machte Pausen, tanzte, schrie mit dem Publikum und legte sogar einen kleinen Catwalk hin, für den mir ungefähr 30 Menschen zujubelten. Nicht besonders effizient. Aber sehr viel besser als schlechte Laune.
Manchmal ist der vernünftigste Rennplan, den Rennplan loszulassen.
4:14:50 und trotzdem zufrieden
Nach 4 Stunden, 14 Minuten und 50 Sekunden kam ich ins Ziel. Keine neue Bestzeit und deutlich über meinem ursprünglichen Ziel. Trotzdem war ich glücklich.
Ich hatte mehr als 30 Kilometer lang mein geplantes Tempo gehalten, kam ohne größere Schmerzen an und fand auf den letzten Kilometern etwas wieder, das mir in der Jagd nach Zeiten teilweise verloren gegangen war: Freude am Laufen.
Die Hitze traf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hart. Umso dankbarer war ich, gesund im Ziel zu stehen. Ein Marathon ist nie nur die Zahl auf der Uhr. An diesem Tag war das besonders deutlich.
Wien bleibt besonders
An diesem Wochenende lernte ich Läuferinnen und Läufer aus Frankreich, England, den USA, Italien und Japan kennen. Außerdem traf ich einen thailändischen Läufer, der nicht weit von meiner Heimatstadt wohnt und den Marathon mit einer Europareise seiner Familie verbunden hatte.
Wien war heiß, anstrengend und völlig anders als geplant. Genau deshalb werde ich mich wahrscheinlich besonders lange daran erinnern.
Keine zwei Tage später war ich bereits für den nächsten Marathon angemeldet: Frankfurt. Offenbar hält sportliche Vernunft bei mir ungefähr bis zum Ende des Muskelkaters.
)
)
)
)
)