KI ist mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Arbeit.
Nicht als einzelnes Programm, das irgendwo neben Photoshop und Figma liegt, sondern als Unterstützung in ganz unterschiedlichen Phasen: von der ersten Recherche über Bildideen und Webdesign bis zur Entwicklung eigener Websites und Anwendungen.
Dabei verwende ich nicht für alles dasselbe Tool. Claude, ChatGPT, Gemini, Firefly, Figma, Relume, Cursor und Codex haben unterschiedliche Stärken – und manchmal überschneiden sie sich auch gehörig.
Das hier ist deshalb keine objektive Bestenliste. Es sind die Werkzeuge, die aktuell zu meiner Arbeitsweise passen. Betonung auf aktuell: In diesem Bereich kann sich die persönliche Favoritenliste schneller ändern, als man einen Blogartikel aktualisieren kann.
Konzepte: Claude, ChatGPT und Gemini
Bevor ich etwas gestalte, brauche ich ein Konzept. Ich muss verstehen, worum es bei einem Projekt geht, welche Menschen angesprochen werden sollen und was eine Marke oder Website eigentlich vermitteln muss.
Für diese frühe Phase nutze ich vor allem Claude und ChatGPT. Nicht, weil mir die KI das Konzept fertig serviert, sondern weil ich damit Informationen schneller strukturieren, Fragen entwickeln und unterschiedliche Richtungen durchdenken kann.
Claude verwende ich gerne für Sprache, Tonalität und längere konzeptionelle Texte. Besonders bei Brand Voices oder Website-Inhalten hilft es mir, Formulierungen weiterzuentwickeln, ohne sofort in klassisches Marketingdeutsch abzurutschen.
ChatGPT ist für mich eher das vielseitige Arbeitstier. Ich nutze es für Recherche, Struktur, Vergleiche und technische Fragen. Es hilft mir außerdem dabei, Konzepte auf Lücken zu prüfen oder umfangreiche Informationen in eine brauchbare Ordnung zu bringen.
Google Gemini nutze ich ergänzend für Recherche, weitere Perspektiven und die Arbeit mit unterschiedlichen Medien. Gerade bei aktuellen Themen ist es hilfreich, die Ergebnisse mehrerer Modelle zu vergleichen, statt sich vollständig auf eine einzige Antwort zu verlassen.
Oft stelle ich mehreren Modellen dieselbe Frage. Nicht, weil die Mehrheit automatisch recht hat, sondern weil die Unterschiede zwischen den Antworten ziemlich aufschlussreich sein können.
Die endgültige Entscheidung treffe trotzdem ich. KI formuliert schließlich gelegentlich auch völligen Unsinn mit beeindruckendem Selbstbewusstsein.
Bilder: Firefly, Nano Banana, Lummi und ChatGPT
Bei Bildern verwende ich KI sowohl für die Generierung als auch für die Bearbeitung bestehender Motive.
Adobe Firefly passt gut in meinen Arbeitsalltag, weil ich ohnehin viel mit Photoshop und anderen Adobe-Programmen arbeite. Ich kann Bildbereiche ergänzen, störende Elemente entfernen, Hintergründe erweitern oder erste Varianten ausprobieren, ohne dafür meinen gesamten Workflow verlassen zu müssen.
Über die Firefly-Oberfläche lassen sich mittlerweile auch unterschiedliche Bildmodelle verwenden. Besonders gerne arbeite ich derzeit mit Nano Banana für gezielte Veränderungen an bestehenden Bildern. Statt jedes Motiv vollständig neu zu generieren, kann ich einfach beschreiben, was angepasst werden soll: Kleidung glätten, einen Hintergrund verändern, Elemente entfernen oder eine Bildidee weiterentwickeln.
Auch ChatGPT nutze ich für Bildgenerierung und visuelle Experimente. Praktisch ist dabei vor allem der dialogbasierte Ablauf. Ich muss nicht bei jeder Änderung wieder von vorne beginnen, sondern kann ein Motiv schrittweise bearbeiten und die Richtung weiterentwickeln.
Nicht jedes Projekt braucht allerdings ein eigens generiertes Bild. Manchmal ist ein vorhandenes Motiv schlicht die bessere und schnellere Lösung. Für moderne, weniger klassische Stockbilder nutze ich unter anderem Lummi. Die Plattform bietet kuratierte KI-generierte Fotos, Illustrationen und 3D-Motive, die nicht sofort nach der üblichen Stockbibliothek aussehen.
Auch Plattformen wie Shutterstock, iStock und Adobe Stock bieten zunehmend KI-generierte Inhalte und eigene Werkzeuge zur Bildgenerierung an. Bei Projekten, in denen Menschen und echte Nähe im Mittelpunkt stehen, greife ich trotzdem weiterhin gerne auf authentische Fotografie oder gute Stockbilder zurück.
Ob ich ein Bild generiere, bearbeite oder aus einer Library verwende, hängt vom jeweiligen Projekt ab. Ich habe da keine ideologische Grundsatzentscheidung. Am Ende muss das Ergebnis passen.
Webdesign
Relume für Struktur und erste Richtungen
Relume verwende ich gerne zu Beginn eines Website-Projekts. Aus einem Briefing lassen sich erste Sitemaps und Wireframes entwickeln, die eine mögliche Seitenstruktur sichtbar machen.
Das kann sehr hilfreich sein, um Inhalte zu sortieren, fehlende Seiten zu erkennen oder einen ersten Aufbau zu diskutieren. Allerdings neigt Relume gerne dazu, aus jeder Website gleich ein ziemlich umfangreiches Projekt zu machen. Für meine Arbeit muss ich die Vorschläge daher meistens wieder reduzieren.
Ich übernehme die Ergebnisse nicht einfach als fertige Lösung. Ich verwende sie eher als Ausgangspunkt: Was davon ist sinnvoll? Welche Abschnitte braucht es wirklich? Was ist doppelt? Und was wurde ergänzt, weil eine typische Website dieses Element eben angeblich haben sollte?
Gerade für kleinere Unternehmen, Persönlichkeiten oder Vereine braucht es nicht automatisch zwölf Unterseiten und sieben verschiedene Call-to-Action-Bereiche. Manchmal reichen eine klare Struktur und wenige gut gesetzte Inhalte vollkommen aus.
Relume nimmt mir daher nicht das Webdesign ab. Es hilft mir, schneller zu einer Struktur zu kommen, über die ich anschließend bewusst entscheiden kann.
Figma mit KI-Unterstützung
Figma bleibt für mich eines der wichtigsten Werkzeuge für digitale Gestaltung. Die integrierten KI-Funktionen können bei ersten Layouts, Texten, Varianten und wiederkehrenden Aufgaben unterstützen.
Interessant ist für mich dabei weniger die Vorstellung, eine komplette Website per Prompt gestalten zu lassen. Viel hilfreicher ist KI dort, wo sie kleine Arbeitsschritte beschleunigt: Inhalte vorbereiten, erste Richtungen testen, bestehende Elemente anpassen oder Varianten eines Aufbaus entwickeln.
Das eigentliche Designsystem entsteht weiterhin bewusst. Farben, Typografie, Abstände, Komponenten und responsive Regeln müssen zusammenpassen und sich über die gesamte Website hinweg wiederholen.
KI kann innerhalb dieses Systems arbeiten. Sie kann aber nicht automatisch entscheiden, welches System für das Projekt richtig ist.
Website-Entwicklung
WordPress und Bricks Builder
Viele meiner Websites setze ich mit WordPress und Bricks Builder um. Diese Kombination gibt mir die Freiheit, individuelle Designs zu entwickeln und trotzdem ein System zu schaffen, das Kund später selbst pflegen können.
Auch hier erleichtert KI mittlerweile viele Arbeitsschritte. Sie hilft mir bei CSS, dynamischen Inhalten, Abfragen, technischen Problemen und individuellen Funktionen. Wenn etwas im Pagebuilder nicht direkt vorgesehen ist, kann ich schneller herausfinden, wie es sich trotzdem sauber umsetzen lässt.
Bricks bleibt dabei das eigentliche Werkzeug für Aufbau, Komponenten und Gestaltung. Die KI arbeitet eher daneben: als technische Unterstützung, bei der Fehlersuche und als Verbindung zwischen einer gestalterischen Idee und ihrer konkreten Umsetzung.
Das ist für mich wesentlich interessanter, als eine komplette Website automatisch generieren zu lassen. Ich möchte weiterhin bestimmen, wie sie aussieht, aufgebaut ist und sich anfühlt. Ich muss nur nicht mehr jede technische Antwort mühsam allein suchen.
Coding mit Codex, Claude und Cursor
Am stärksten hat KI meine Möglichkeiten bei der individuellen Entwicklung erweitert.
Für meine neue Website, eigene WordPress-Funktionen, Schnittstellen und Web-Apps arbeite ich unter anderem mit Codex, Claude und Cursor. Diese Werkzeuge können bestehende Projekte analysieren, Code schreiben, Fehler suchen und Änderungen im Zusammenhang mit einer größeren Codebasis nachvollziehen.
Cursor ist praktisch, weil die KI direkt im Code-Editor arbeitet und das Projekt als Ganzes einbeziehen kann. Claude nutze ich gerne, um Strukturen und mögliche Lösungswege durchzudenken. Codex hilft mir dabei, konkrete Aufgaben innerhalb eines Projekts umzusetzen, Dateien zu bearbeiten und die Änderungen anschließend zu überprüfen.
So kann ich heute Dinge realisieren, die über eine klassische Website hinausgehen: individuelle Schnittstellen, automatisierte Abläufe, Datenbanken, Mitgliederbereiche oder kleinere Web-Apps.
Ein Beispiel dafür ist die Web-App für Run Crew Linz mit Events, News, Profilen, digitalem Mitgliedsausweis und QR-Check-in. Auch bei der Metternich-Website verbinden eigene Funktionen externe Datenquellen mit WordPress. Meine neue Website wiederum entsteht mit Next.js und Storyblok statt mit einem klassischen Pagebuilder.
Ohne KI wären solche Projekte für mich deutlich langsamer und in manchen Bereichen schwerer zugänglich. Sie ersetzt dabei allerdings nicht das Verständnis für Aufbau, Gestaltung und Funktion. Wenn ich nicht weiß, was eine Anwendung leisten soll, produziert auch der beste Coding-Assistent nur sehr effizient Chaos.
Meine aktuellen Lieblingswerkzeuge
Je nach Aufgabe sieht mein derzeitiger Werkzeugkasten ungefähr so aus:
Konzeption und Texte: Claude, ChatGPT und Google Gemini
Bildgenerierung und Bildbearbeitung: Adobe Firefly, Nano Banana und ChatGPT
KI-generierte Stockbilder: Lummi
Sitemaps und Wireframes: Relume
Digitales Design: Figma
Website-Umsetzung: WordPress und Bricks Builder
Diese Liste ist keine allgemeingültige Empfehlung und vermutlich auch nicht für immer aktuell. KI-Werkzeuge entwickeln sich schnell. Manche werden besser, andere komplizierter und gelegentlich verschwindet eine lieb gewonnene Funktion genau dann, wenn man einen brauchbaren Workflow dafür gefunden hat.
Entscheidend ist für mich deshalb nicht, jedes neue Tool sofort auszuprobieren. Es muss meine Arbeit tatsächlich erleichtern oder mir Möglichkeiten eröffnen, die ich vorher nicht hatte.
Was mir KI nicht abnimmt
KI hilft mir, schneller von einer Idee zu einem sichtbaren oder funktionierenden Ergebnis zu kommen. Sie sortiert, formuliert, generiert, programmiert und sucht erstaunlich geduldig nach Fehlern.
Was sie mir nicht abnimmt, ist die Richtung.
Ich muss weiterhin entscheiden, welche Idee zum Projekt passt, welche Gestaltung glaubwürdig ist und wann ein Ergebnis wirklich fertig ist. Ebenso bleiben Prüfung, Datenschutz, Nutzungsrechte, Barrierefreiheit und technische Verantwortung bei mir.
Deshalb sehe ich KI weder als Ersatz für Design noch als magischen Knopf für fertige Lösungen. Für mich ist sie ein Werkzeug – beziehungsweise mittlerweile eine ganze Werkzeugkiste.
Eine ziemlich schnelle, ausdauernde und gelegentlich etwas zu selbstbewusste Werkzeugkiste.
Und im Moment arbeite ich ausgesprochen gerne damit.
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