KI ist inzwischen fester Bestandteil meines Arbeitsalltags. Nicht als ein einzelnes Tool, das plötzlich alles erledigt, sondern verteilt über fast den gesamten Prozess: Recherche, Konzeption, Bilder, Video, Webdesign und Entwicklung.
Mein Werkzeugkasten hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach verändert und wird es vermutlich weiterhin tun. Das hier ist also ausdrücklich keine Liste der „besten KI-Tools 2026“.
Es ist schlicht das, womit ich gerade arbeite und was sich für mich bewährt hat.
Recherche & Konzeption: Claude, ChatGPT und Gemini
Am häufigsten begegnet mir KI lange bevor ich überhaupt etwas gestalte. Claude, ChatGPT und Gemini nutze ich vor allem für:
Recherche: Informationen zusammentragen, Themen einordnen und unterschiedliche Richtungen vergleichen.
Konzeption: Gedanken sortieren, Fragen entwickeln und Konzepte auf Lücken prüfen.
Texte: Website-Inhalte, Brand Voices und Strukturen. Für längere Texte und Tonalität greife ich derzeit besonders gerne zu Claude. Die Ergebnisse passen häufig schneller zu der Sprache, die ich suche.
Manchmal stelle ich allen drei Modellen dieselbe Frage. Nicht, weil drei KIs automatisch mehr recht haben als eine. Die Unterschiede zwischen den Antworten können aber ziemlich aufschlussreich sein. Sie zeigen andere Perspektiven und bringen mich dazu, meine eigene Entscheidung noch einmal zu hinterfragen.
Und ja, KI hilft auch dann, wenn ein Satz seit zwanzig Minuten ungefähr so elegant klingt wie die Bedienungsanleitung eines Druckers.
Die endgültige Entscheidung bleibt trotzdem bei mir.
Bilder: Nano Banana, ChatGPT und Firefly
Bei Bildern hat sich mein Workflow wahrscheinlich am stärksten verändert. Aktuell arbeite ich vor allem mit Nano Banana über Gemini, ChatGPT und Adobe Firefly.
Im Alltag nutze ich KI beispielsweise für:
Bildbearbeitung: Hintergründe erweitern, störende Elemente entfernen, Details verändern oder Varianten ausprobieren.
Mockups: Entwürfe schneller in einen passenden Kontext bringen, statt jedes Mockup von Grund auf aufzubauen.
Logo- und Branding-Ideen: als Ideenstarter, um unterschiedliche Richtungen zu erkunden. Nicht als fertiges Ergebnis.
Key Visuals: Hier nutze ich KI tatsächlich immer häufiger. Schnell geht das allerdings nicht unbedingt. Bis ein Key Visual wirklich zum Branding passt, können mehrere Stunden oder auch Tage vergehen.
Gerade bei Logos bin ich ziemlich streng. Ein KI-generiertes Logo ist für mich höchstens eine Skizze oder Idee, kein fertiges Logo. Konstruktion, Vektoren, Proportionen, Abstände und die Reinzeichnung entstehen weiterhin bewusst und manuell.
Praktisch finde ich außerdem, wie viele Modelle und generative Funktionen inzwischen in bestehende Kreativprogramme wandern. Gerade Firefly und Photoshop machen es dadurch einfacher, KI in einen normalen Bildbearbeitungs-Workflow einzubauen, statt für jeden Arbeitsschritt eine neue Plattform zu öffnen.
Nur weil ich ein Bild generieren kann, heißt das aber nicht, dass ich es verwenden sollte.
Ein technisch beeindruckendes KI-Bild kann komplett am Projekt vorbeigehen. Die eigentliche Arbeit besteht für mich darin, Stil und Atmosphäre eines Brandings auch in die Bilder zu übertragen.
Am Anfang stehen weiterhin Idee und visuelle Richtung. ChatGPT oder Claude helfen mir anschließend auch dabei, daraus brauchbare Prompts zu entwickeln. Danach wird ausprobiert, angepasst und noch einmal angepasst.
Ein Knopfdruck ist das eher selten.
Video: Google Veo und Leonardo AI
Mit KI-generierten Videos experimentiere ich ebenfalls, allerdings deutlich weniger als mit Bildern.
Aktuell arbeite ich vor allem mit Google Veo und Leonardo AI. Für meine bisherigen Experimente reicht mir das vollkommen.
Generiertes Videomaterial ist für mich dabei vor allem eines: Rohmaterial.
Schnitt, Timing, Ton, Farbe und Compositing passieren anschließend wieder in meiner gewohnten Software, je nach Projekt etwa in Adobe After Effects, Final Cut Pro oder DaVinci Resolve.
Natürlich gibt es inzwischen wesentlich mehr Werkzeuge für KI-generierte Videos. Video ist aber nicht mein Hauptfokus und mit diesen beiden komme ich derzeit gut aus.
Stockmaterial wird ohnehin immer mehr KI
Die Grenze zwischen klassischem Stockmaterial und KI-generierten Bildern wird immer unschärfer. Stockplattformen und Kreativprogramme integrieren generative Funktionen, während Plattformen wie Lummi stark auf KI-generierte Motive setzen.
Klassische Fotografie ist für mich damit keineswegs erledigt.
Wenn echte Menschen, Persönlichkeit oder Nähe wichtig sind, ist ein authentisches Foto meist die bessere Wahl. Bei abstrakten Motiven, Hintergründen oder sehr speziellen Konzeptbildern kann KI dagegen unglaublich praktisch sein.
Webdesign: Relume und Figma
Für Websites kommt Relume bei mir gerne früh im Prozess zum Einsatz. Aus einem Briefing lassen sich Sitemaps, Wireframes und erste Designrichtungen entwickeln. Das hilft mir, Inhalte zu ordnen und schnell sichtbar zu machen, wie eine Website aufgebaut sein könnte.
Relume hat allerdings eine gewisse Begeisterung für umfangreiche Websites. Aus einem überschaubaren Projekt wird erstaunlich schnell eine ziemlich große Website. Also wird wieder reduziert.
Auch in Figma nutze ich KI zunehmend für erste Richtungen, Varianten, Bildbearbeitung und wiederkehrende Aufgaben.
Nachschärfen muss ich fast immer.
Eine KI kennt die Persönlichkeit einer Marke nicht automatisch. Die ersten Ergebnisse wirken schnell zu sauber, zu erwartbar oder schlicht nach Standard. Genau dort beginnt für mich weiterhin die eigentliche Gestaltung: Typografie, Farben, Abstände, Bildsprache und all die kleinen Entscheidungen, durch die aus einem Layout irgendwann tatsächlich eine Marke wird.
Ich bin jedoch ziemlich gespannt, wie lange ich diesen Absatz noch so schreiben kann.
WordPress: KI als technische Unterstützung
Viele Kundenwebsites setze ich weiterhin mit WordPress und Bricks um. KI nutze ich dort vor allem dann, wenn es technisch wird: CSS, PHP, dynamische Abfragen, APIs, individuelle Funktionen und Fehlersuche.
Gerade bei Dingen, die ein Page Builder nicht von Haus aus kann, komme ich damit deutlich schneller von „Das müsste doch irgendwie gehen“ zu „Ah. So also.“
Bisher hat KI mein bestehendes Setup vor allem erweitert. Gerade beginnt sich aber auch das zu verändern.
Wenn ich klare Richtlinien, Komponenten und Designstrukturen vorgebe, kann KI inzwischen durchaus dabei helfen, einzelne Bereiche oder Inhalte direkt für eine Website aufzubauen. Für meinen Anspruch funktioniert das noch nicht stabil genug, um den eigentlichen Designprozess einfach abzugeben.
Entwicklung: Cursor, Codex und Claude
Und dann wäre da noch das Coding.
Cursor, Codex und Claude haben die Grenze zwischen klassischem Webdesign und individueller Entwicklung für mich ziemlich weit verschoben. Inzwischen arbeite ich damit an eigenen Web-Apps, WordPress-Funktionen, Schnittstellen, Datenbanken und meiner mit Next.js entwickelten Website.
Das Thema ist allerdings ein bisschen eskaliert.
Darüber gibt es inzwischen einen eigenen Artikel: Mein Sommer zwischen Design, Code und KI.
Dort geht es ausführlicher darum, was beim Entwickeln mit KI tatsächlich möglich ist und warum „Schreib mir eine App“ leider noch nicht das Ende der Geschichte ist.
Fazit: KI kann viel. Die Designerin bin trotzdem ich.
In diesem Bereich passiert gerade so viel, dass man kaum hinterherkommt. Meine Liste wird in sechs Monaten vermutlich wieder anders aussehen. Manche Tools werden besser, andere verschwinden aus meinem Workflow und irgendwo erscheint garantiert das nächste, das angeblich alles revolutioniert.
Interessant bleibt für mich, was Arbeit abnimmt, meinen Prozess verbessert oder mir Möglichkeiten eröffnet, die ich vorher nicht hatte.
KI macht meine Arbeit an vielen Stellen schneller. Gleichzeitig wird mein Werkzeugkasten immer größer und all diese neuen Möglichkeiten wollen auch verstanden werden. Die Zeit dafür muss man erst einmal finden.
Ich möchte diese Entwicklung trotzdem nicht missen. Je besser ich die Werkzeuge verstehe und je klarer ich weiß, was ich von ihnen möchte, desto besser werden auch die Ergebnisse.
Am Ende bekomme ich vor allem mehr Möglichkeiten, Ideen umzusetzen, die vorher komplizierter, langsamer oder schlicht außerhalb meiner technischen Möglichkeiten gewesen wären.
Und darauf bin ich ziemlich gespannt.
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