Nach dem Traunsee-Halbmarathon wäre eigentlich eine Pause sinnvoll gewesen. Mein neuer Marathon-Trainingsplan begann erst Ende Juli. Ich hätte weniger laufen, Krafttraining machen oder mich einfach erholen können. Aber nein ...
Ein paar Tage später wachte ich stattdessen mit dem Gedanken auf: Ich möchte 50 Kilometer laufen.
Nicht bei einer Veranstaltung. Ohne Labestationen, Publikum oder Medaille. Einfach von zu Hause los, einmal durch Linz und Umgebung und irgendwann hoffentlich wieder zurück. Im Nachhinein betrachtet war das vielleicht nicht die vernünftigste Möglichkeit, eine Trainingspause zu gestalten. Aber definitiv die interessantere.
Ein Plan mit Supermärkten als Sicherheitsnetz
Für die Route plante ich zuerst meine vertraute Strecke von der Linzer Eisenbahnbrücke nach Steyregg und zurück. Nach ungefähr 30 Kilometern wollte ich kurz zu Hause Kleidung und Schuhe wechseln, essen und trinken. Danach sollte es Richtung Puchenau und Ottensheim weitergehen.
Weil es heiß werden sollte und ich noch nie so weit gelaufen war, legte ich die Strecke bewusst entlang geöffneter Supermärkte und Tankstellen. Das war meine Version einer Labestation. Weniger sportlich organisiert, dafür mit einer größeren Auswahl an Eis.
Ich packte Gels, Blasenpflaster und isotonische Getränke ein. Am Vorabend aß ich kleine Portionen Kohlenhydrate, trank viel und war ausgesprochen nervös. Ein Marathon über 42 Kilometer war für mich bereits ein Kampf. Acht zusätzliche Kilometer wirkten auf dem Papier überschaubar. Mein Kopf sah das anders.
Kilometer 1 bis 30: verdächtig angenehm
Am 5. Juli stand ich um 4:30 Uhr auf und lief kurz nach fünf los. Die ersten Kilometer fühlten sich fast zu gut an. Es war kühl, die Stadt noch ruhig und über den Feldern lag Morgennebel. Ich sah Rehe, Hasen, Enten und Babyenten. Für einige Stunden sah mein Ultramarathon eher nach sehr langer Naturdokumentation aus.
Statt der geplanten gemütlichen Pace lief ich bald in meinem gewohnten Grundlagentempo. Das funktionierte ungefähr 30 Kilometer lang. Beim Parkrun traf ich noch bekannte Gesichter, plauderte kurz und lief anschließend nach Hause. Zehn Minuten Pause, neue Kleidung, kalte Getränke. Dann wieder hinaus. Noch 20 Kilometer.
Kilometer 30 bis 40: Sonne, Asphalt und ein Eurospar
Ab jetzt wurde es ernst. Die Temperaturen stiegen, zwischen Puchenau und Ottensheim gab es wenig Schatten und jeder Kilometer fühlte sich länger an. Ich reduzierte das Tempo, machte Gehpausen und begann, alle zwei bis drei Kilometer stehen zu bleiben.
Bei Kilometer 35 entdeckte ich einen Eurospar. Ich gehe nicht besonders gern Lebensmittel einkaufen. In diesem Moment sah das Geschäft allerdings aus wie eine Oase. Ich kaufte einen kalten Iso-Drink und ein Wassermeloneneis und konsumierte beides mit einer Begeisterung, die bei den übrigen Kundinnen und Kunden offenbar Fragen auslöste.
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