Vom Traunsee Halbmarathon hatte ich schon im Jahr davor auffällig viele begeisterte Berichte gehört. Schöne Strecke, gute Stimmung, Cocktailbar im Ziel und zur Sommersonnenwende sogar ein Feuerwerk über Gmunden.

Das klang weniger nach einem normalen Lauf und mehr nach einem ziemlich gut organisierten Sommerabend mit 21,1 Kilometern Anreise zu Fuß.

Ein paar Tage nach dem Linz Marathon meldete ich mich an. Danach folgten neun Wochen gezieltes Halbmarathontraining und rund 400 Kilometer. Nach dem Marathon wollte ich wissen, was auf der kürzeren Distanz möglich ist, wenn ich tatsächlich dafür trainiere.

Mein Ziel war klar: unter 1:55.

Der Trainingsplan sah dafür eine Pace zwischen 5:05 und 5:20 Minuten pro Kilometer vor. Im Juni. Bei einem Abendlauf.

Ich hielt das trotzdem für eine vernünftige Idee.

Vor dem Start

In Gmunden angekommen war zunächst noch alles ziemlich entspannt. Ich holte gemütlich meine Startnummer ab und ging danach noch auf einen Kaffee. Bis zum Start am Abend war schließlich noch genug Zeit.

Ganz ruhig war ich trotzdem nicht.

Bei einem Abendlauf verbringt man zwangsläufig einen großen Teil des Tages auf den Beinen. Anreise, Bahnhof, Startnummer holen, herumlaufen und später noch der Weg nach Ebensee. Normalerweise versuche ich vor einem Wettkampf eher, meine Beine möglichst wenig unnötig zu beschäftigen. Diesmal sammelte ich schon vor dem Start einige Schritte.

Mit einem Ziel unter 1:55 im Kopf machte mich das zunehmend etwas nervös.

Startnummernausgabe, Gepäcktransport und die kostenlose Verbindung nach Ebensee waren grundsätzlich gut organisiert. Rund um Bahnhof und Shuttle wurde es später trotzdem etwas hektisch. Ein Zug fiel offenbar aus, Busse waren voll und die Orientierung wurde kurzfristig zum Gemeinschaftsprojekt.

Dafür traf ich gleich mehrere bekannte Läufer:innen aus Linz. Die überfüllte Fahrt zum Start fühlte sich ein wenig wie Festivalverkehr an. Nur ohne Bier und mit deutlich mehr Funktionskleidung.

Für einen letzten Toilettenbesuch blieb schließlich keine Zeit mehr. Die Schlange hatte ungefähr die Länge eines zusätzlichen Bewerbs.

Kurz darauf fiel der Startschuss.

21 Kilometer zwischen Bergen und See

Um 19:08 Uhr liefen wir in Ebensee los. Die ersten fünf Kilometer waren warm, sonnig und leicht wellig.

Ich startete etwas zu schnell, weil sich das Tempo gut anfühlte. Diese Form der Selbsttäuschung funktioniert bei Laufveranstaltungen zuverlässig.

Danach kamen mehr Schatten, etwas Wind und lange Abschnitte direkt am Traunsee. Spätestens dort verstand ich, warum mir so viele Menschen von dieser Strecke vorgeschwärmt hatten.

See auf der einen Seite, Berge rundherum und langsam dieses warme Abendlicht über der Landschaft. An vielen Stellen standen Menschen vor ihren Häusern, spielten Musik, reichten Wasser und feuerten uns an.

Ich wollte mehrfach einfach stehen bleiben und fotografieren.

Stattdessen schaute ich auf die Uhr.

Ich hatte schließlich neun Wochen dafür trainiert, hier möglichst schnell durchzulaufen. Ein kleines Dilemma bei einer Strecke, die man eigentlich lieber anschauen möchte.

Gmunden, Gegenwind und 1:52:32

Auf den letzten Kilometern wurde es deutlich härter. Der Gegenwind nahm zu, die kleinen Anstiege fühlten sich plötzlich weniger klein an und Gmunden rückte gefühlt nur sehr langsam näher.

Am Hauptplatz hörte ich bekannte Stimmen. Kurz danach sah ich meinen Mann und seinen Freund an der Strecke.

Nach 1:52:32 war ich im Ziel, mit einer Durchschnittspace von 5:17 min/km.

Mein Ziel unter 1:55 hatte ich erreicht und sogar ziemlich deutlich unterboten. Nach neun Wochen Training war ich entsprechend sehr glücklich darüber.

Natürlich meldete sich trotzdem relativ schnell dieser kleine, ausgesprochen undankbare Teil meines Gehirns mit der Frage: Wäre vielleicht noch ein bisschen mehr möglich gewesen?

Dann gab es Cocktail und Schokotorte.

Und alles war gut.

Und dann endlich die Aussicht

Später begann zur Sommersonnenwende das Feuerwerk über Gmunden. Jetzt konnte ich mir die Umgebung endlich anschauen, ohne gleichzeitig Pace, Kilometer und verbleibende Distanz auszurechnen.

Die Strecke, die Stimmung und der Zieleinlauf haben ziemlich genau das gehalten, was mir vorher versprochen worden war.

Ich bin jedenfalls ziemlich angetan von dieser Strecke und diesem Abend. Beim nächsten Mal laufe ich einfach Pace 8 und mache dafür viel mehr Fotos.

Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 1
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 2
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 3
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 4
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 5
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 6
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 7
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 8
Traunsee Halbmarathon 2025: Zwischen Bestzeit und Seeblick — Bild 9