Der Linz Marathon war längst eine kleine Tradition für mich. Von 2022 bis 2024 lief ich dreimal den Halbmarathon. 2025 wollte ich zum ersten Mal die ganzen 42,195 Kilometer durch meine eigene Stadt laufen.
Es war mein vierter Marathon insgesamt, aber Linz hatte für mich trotzdem eine besondere Bedeutung. Genau hier hatte 2022 mein erster Laufwettbewerb überhaupt begonnen. Damals brauchte ich für den Halbmarathon 2:58:27.
Drei Jahre später stand ich wieder am Start. Diesmal mit einem ziemlich klaren Ziel: unter vier Stunden.
Vier Monate hatte ich dafür trainiert, mit langen Läufen, Tempoeinheiten und Intervallen, die rückblickend sicher charakterbildend waren.
Ein Marathon bleibt für mich Extremsport, auch wenn ich inzwischen freiwillig mehrere davon absolviert habe.
Bis Kilometer 26 sah der Plan erstaunlich gut aus
Die ersten Kilometer liefen ruhig. Das Wetter war kühl, ich fühlte mich fit und das Tempo passte. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen ein Marathon fast kontrollierbar wirkt.
Mein Sub-4-Ziel war noch da und zunächst gab es wenig Grund, daran zu zweifeln.
Ab Kilometer 26 wurden die Beine allerdings zunehmend schwerer. Besonders freundlich ist die Linzer Strecke an jener Stelle, an der die Halbmarathonläuferinnen und Halbmarathonläufer Richtung Ziel abbiegen, während der Marathon noch eine zusätzliche Schleife anbietet.
Man freut sich selbstverständlich für alle im Ziel. Sehr aufrichtig. Fast ohne Neid.
Die Luft wurde schwüler und jeder Kilometer zäher. Sieben Kilometer vor dem Ziel bekam ich schließlich starke Krämpfe in beiden Beinen und musste stehen bleiben.
Für ein bis zwei Minuten war nicht mehr klar, ob Weiterlaufen überhaupt möglich war.
Sub 4 war vorbei, der Marathon noch nicht
Nach der Pause konnte ich langsam weiterlaufen. Später kamen noch weitere kurze Unterbrechungen dazu.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ziemlich genau, dass die Vier-Stunden-Marke weg war. Nach vier Monaten Training war das natürlich nicht gerade die Erkenntnis, auf die ich mich gefreut hatte.
Aber der Marathon war noch nicht vorbei.
Also änderte sich das Ziel ziemlich schnell von unter vier Stunden zu irgendwie ins Ziel kommen.
Auf den letzten Kilometern standen wieder mehr Menschen entlang der Strecke und auch unter den Laufenden wurde gegenseitig motiviert. Irgendwann geht es bei einem Marathon ohnehin nicht mehr um besonders komplexe Gedanken. Man setzt einen Fuß vor den anderen und versucht, das möglichst lange weiterzumachen.
Kurz vor dem Ziel sah ich schließlich meine Eltern, meinen Mann und meine Tochter mit selbst gebastelten Flaggen.
Nach mehreren Stunden reduziert sich ein Marathon auf erstaunlich einfache Dinge. Ein vertrautes Gesicht kann plötzlich sehr viel Energie enthalten.
4:08:11
Nach 4:08:11 war ich im Ziel.
Acht Minuten über meinem eigentlichen Ziel und rund eine halbe Minute schneller als bei meinem vorherigen Marathon in Köln.
Direkt danach war ich trotzdem enttäuscht. Vier Monate Training lassen sich emotional nur schwer mit „immerhin fast“ abschließen. Wenn man so lange auf eine bestimmte Zahl hinarbeitet, sind acht Minuten in diesem Moment eben nicht einfach nur acht Minuten.
Mit etwas Abstand sah die Sache anders aus.
Ich war trotz der Krämpfe weitergelaufen, hatte meinen vierten Marathon beendet und war 42,195 Kilometer durch jene Stadt gelaufen, in der drei Jahre zuvor mit einem Halbmarathon in 2:58:27 meine ganze Laufgeschichte begonnen hatte.
Linz ist für mich deshalb mehr als irgendein Termin im Laufkalender. Ich treffe bekannte Gesichter vor, während und nach dem Lauf, meine Familie steht an der Strecke und inzwischen hängen einige Erinnerungen an diesem Event.
Und die bronzefarbene Medaille sieht außerdem wirklich gut aus.
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