Mit einem eigenen Blog habe ich es schon mehrmals versucht. Lange gehalten haben diese Versuche allerdings nie.
Nicht unbedingt, weil ich nichts zu erzählen hatte. Eher im Gegenteil. Leute, die mich gut kennen, wissen es: Ich kann schreiben wie ein Wasserfall. Zumindest bei Themen, die mich begeistern.
Aber sobald der Blog einmal stand, fing ich jedes Mal an, das Ganze viel zu ernst zu nehmen. Welche Themen passen zusammen? Wie regelmäßig muss ich veröffentlichen? Nische? Keine Nische? Brauche ich einen Redaktionsplan? Ist das überhaupt relevant? Und natürlich sollte alles irgendwie professionell wirken.
Aus etwas, das eigentlich Spaß machen sollte, wurde ziemlich schnell eine weitere Aufgabe auf einer ohnehin schon ausreichend langen Liste.
Ausgezeichnete Idee.
Also habe ich irgendwann wieder aufgehört.
Ich vermisse das alte Bloggen ein bisschen
Blogs gibt es natürlich immer noch. Nur haben viele heute eine andere Aufgabe.
Sie sind Teil von Content Marketing, sollen bei Google gefunden werden, Expertise zeigen, Leads bringen oder Menschen möglichst elegant zum nächsten Call-to-Action führen. Mit Blogs lässt sich Geld verdienen, und vor 15 oder 20 Jahren waren sie selbst einmal ein großes Ding. Heute findet vieles davon auf Social Media statt.
Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Auch hier werden Artikel erscheinen, die bei Google gefunden werden dürfen.
Was ich aber ein bisschen vermisse, ist dieses alte Internet, in dem Menschen einfach ihre eigene Website hatten und dort Dinge veröffentlichten, weil sie ihnen wichtig oder interessant erschienen.
Ich lese gerne, ich schreibe gerne und ich lese bis heute gerne Blogs.
Ich bin mit dem Internet der 90er- und 2000er-Jahre aufgewachsen. Kennst du das noch? Persönliche Blogs, Myspace, später Tumblr und Foren mit teilweise schrecklichen Designs. Blinkende GIFs, wilde Hintergründe und Seiten, die aussahen wie ein Windows-95-Interface. Wenn nicht sogar schlimmer.
Und mittendrin Menschen, die einfach über alles Mögliche geschrieben haben.
Völlig ungezwungen.
Ein Gedanke. Ein Projekt. Fotos von einer Reise. Irgendeine technische Entdeckung. Ein viel zu ausführlicher Bericht über etwas, das wahrscheinlich fünf andere Menschen interessiert.
In letzter Zeit bin ich außerdem wieder häufiger über persönliche Websites und sogenannte „Dead Simple Sites“ gestolpert. Sehr reduzierte Seiten, viel Typografie, wenig Ablenkung. Manche Texte sind kurz, andere ausführlicher. Und mir gefällt die Idee, Wissen und Gedankengänge nicht immer als fertiges Produkt zu betrachten, sondern als etwas, das mit der Zeit wachsen darf.
Nicht unbedingt, weil meine Website jetzt plötzlich aussehen soll wie ein Blog aus dem Jahr 1998. Dafür mag ich Gestaltung dann doch ein bisschen zu gerne.
Aber die Haltung dahinter finde ich schön.
Meine Website darf mehr als Portfolio sein
Nattawan.com ist weiterhin mein Portfolio. Hier zeige ich ausgewählte Arbeiten, meine Leistungen und das, was ich beruflich mache. Aber es ist eben auch meine Website und meine technische Spielwiese.
Ich probiere hier Dinge aus, baue wieder um, teste neue Technologien und ändere gelegentlich Sachen, die eigentlich vollkommen in Ordnung waren.
Warum sollte der Blog also ausschließlich aus perfekt geplanten Fachartikeln bestehen?
Ich möchte über Design, Websites, Branding und neue Technologien schreiben. Über Dinge, die ich gerade lerne oder ausprobiere. Vielleicht über einen Prozess, der erstaunlich gut funktioniert hat. Vielleicht auch über einen, der überhaupt nicht funktioniert hat.
Dazwischen dürfen genauso Laufen, Fotografie, Konzerte, Reisen, Games oder irgendwelche Gedanken auftauchen, die mir unterwegs durch den Kopf gehen.
Das muss nicht alles perfekt zusammenpassen.
Nattawan ist immerhin mein Vorname und gleichzeitig meine Domain. Viel persönlicher kann eine Website eigentlich nicht mehr werden.
Vorerst kein Redaktionsplan. Oder vielleicht auch nie?
Einen großen Redaktionsplan gibt es deshalb nicht.
Manche Artikel werden ausführlich und fachlich. Andere persönlicher. Vielleicht besteht ein Eintrag irgendwann nur aus ein paar Absätzen und drei Fotos.
Und wahrscheinlich wird es zwischendurch auch einmal länger still.
Ich möchte lieber dann schreiben, wenn ich tatsächlich etwas zu erzählen habe, als jede Woche einen Artikel zu produzieren, nur weil irgendwo im Kalender „Blog“ steht.
SEO darf mitdenken. Es darf nur entscheiden, worüber ich nachdenken soll.
Für jemanden wie mich, der ständig nach neuen Technologien, Trends und natürlich dem nächsten Apple-Modell schaut, ist das wahrscheinlich eine der am wenigsten innovativen Arten, eine Website zu führen.
Eine eigene Website haben. Dinge erleben, lernen oder bauen. Darüber schreiben.
Old School. Mag ich.
Herzlich willkommen.
)